Freitag, 26. Mai 2017

Gaffer und fehlende Rettungsgasse: Feuerwehr bei Einsatz nach Lkw-Unfall massiv behindert

8. Mai 2017 von  

Nürnberg (BY) – Montagmorgen kam es auf der Autobahn 6 südlich von Nürnberg zu einem schweren Lkw-Unfall. In der Folge krachten weitere Fahrzeuge zusammen. Eine Person wurde leicht, eine schwer verletzt. Der Feuerwehreinsatz wurde erheblich behindert: Zunächst kamen die Kräfte nicht schnell genug durch, weil die Rettungsgasse nicht durchgängig gebildet war. An der Unfallstelle irritierten immer wieder Gaffer die Feuerwehrleute.

Der ersten Unfall ereignete sich auf der A6 zwischen dem Kreuz Nürnberg-Süd und der Ausfahrt Roth. Ein Lkw fuhr auf einen anderen Sattelzug auf. Und im nächsten Augenblick krachte ein weiterer Lkw in die Unfallstelle. Auch ein Kleinbus war an dieser Karambolage beteiligt.

Technische Hilfeleistung nach Lkw-Unfällen

>>Das Sonderheft hier bestellen<<

„Der Unfall passierte zirka 200 Meter vor mir“, beschreibt Udo Fertig, Stadtbrandinspektor der Freiwilligen Feuerwehr Nürnberg, in einem Facebook-Posting. „Erste Lageerkundung und -meldung an die nachrückenden Kräfte, drei Verletzte betreut, beziehungsweise aus dem zerstörten Führerhaus ohne technische Hilfsmittel befreit. Aufgrund der Lagemeldung konnte ein Teil der anrückenden Kräfte zurückgehalten werden. Eine Schicksalsfügung, wie sich herausstellte. Im Stau hinter diesem Unfall ereignete sich ein weiterer schwerer Unfall, bei dem eine Person schwer eingeklemmt wurde. Die noch zur Verfügung stehenden Einheiten standen damit dort zur Verfügung.“

Für die Feuerwehr folgten nach der Personenrettung umfangreiche Bergungsmaßnahmen. Foto: NEWS5 / Grundmann

Fertig schreibt weiter: „Dank der nicht vorhandenen Rettungsgasse konnte ich zwar die anrückenden Einheiten hören, bis die sich aber durchgekämpft hatten, war ich Einzelkämpfer.“ Als die Einsatzkräfte die erste Unfallstelle erreichten, musste sie eine Person mit leichten Verletzungen versorgen. Dann begannen sie mit den Bergungsmaßnahmen. Denn die Ladung eines Lkw – Getränkeflaschen und -dosen hatte sich auf die Fahrbahn verteilt. Anstregende Arbeit, aber leider Routine.

Mit der Rettungsgasse Leben retten

 Gesetzliche Vorgaben zur Rettungsgasse, Wie wird sie gebildet? und Kampagnen – hier geht’s zum Beitrag.

Doch die eigentliche Herausforderung für die Feuerwehr werden die Gaffer am Seitenrand. Zwischenzeitlich stapfen die Schaulustigen auch in der Einsatzstelle herum. Und auf der Gegenfahrbahn filmen und fotografieren Autofahrer die Lage. Dadurch kommt es in dem stockenden Verkehr immer wieder fast zu weiteren Unfällen.

Bei dem zweiten Lkw-Unfall wurde, wie von Stadtbrandinspektor Fertig beschrieben, ein Fahrer in seinem Fahrerhaus eingeklemmt und schwer verletzt. Nach der Rettung durch die Feuerwehr wurde der Mann mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen.

Während die Einsatzkräfte an der Einsatzstelle arbeiten, kommen immer mehr Schaulustige, die seelenruhig die Tätigkeiten der Feuerwehr beobachteten.  Foto: NEWS5 / Grundmann

Kommentare

7 Kommentare zu “Gaffer und fehlende Rettungsgasse: Feuerwehr bei Einsatz nach Lkw-Unfall massiv behindert”
  1. Karl-Heinz Rümmele sagt:

    Was mus in Deutschland noch alles Geschehen damit die Verantwortlichen sofort durchgreifen können? Immer wieder gibt es solche Fälle und der Polizei und den Rettungskräften sind Gesetlich sogar die Hände gebunden. Nein wen Sie versuchen einzugreifen werden sie Beschimpft, teilweise sogar Angespukt und die Täter werden noch geschützt. In was für einer Gesellschaft Leben wir heute.

  2. Hans Sauer sagt:

    Untätige Minister – Wo sind die Herren Maas und Dobrindt? Warum gibt es nicht endlich schärfere Strafen und vorallem massive Fahrverbote in soclhen Fällen. Das Augenmekr von Hr. Maas liegt wohl eher im Internet, denn im richtigen Leben. 20 € sind lachhaft. Aber unsere Poltiker scheint dieses Thema nicht zu interessieren. Warum treten wir nicht mal unseren Abgeordneten auf die Füße?

  3. Ich weiß bei den ständigen, faßt täglichen Berichten über Gaffer und Filmer derzeit nicht, was mich mehr stinksauer macht. Die Gaffer und Filmer oder die Feuerwehren, gerade hier in der Region Nürnberg – Fürth – Erlangen und Großraum, denen wir seit nunmehr 3 Jahren den Sinn und die Notwendigkeit von mobilen Sichtschutzwänden versuchen klar zu machen. Leider erhalten wir bei den Vorstellungen äußerst negative Reaktionen. “ Brauchen wir nicht „, “ geht uns nichts an “ , soll sich die Polizei darum kümmern “ , “ nicht unser Problem “ um nur die harmlosesten zu nennen.
    Allerdings gibt es ein paar Feuerwehren in unserer Region die den Vorteil von Sichtschutzwänden bereits erkannt haben und diese mit sehr positiven Erfolgen einsetzen. Wie z. B. der Bereich Neunkirchen am Brand, Eschenau, Forth, Gräfenberg, Gößweinstein ectr. dort sind 7 Wände insg. im Einsatz. Oder Neutraubling, Eichstätt mit 6 Wänden oder Stein b. Nbg. Von weiteren Feuerwehren erhalten wir sehr positive Rückmeldungen, wie Mainz oder Tübingen. Gaffer massiv reduziert, Staus auf der Gegenfahrbahn und Folgeunfälle auf Null runter. Wenn von 3 anrückenden Feuerwehren jede 1 Wand mitführen würde, wären dies 3 x 7 m = 21 m x 180 hoch. Gaffer haben hier keine Chance. Schneller aufgebaut als die Polizei ihr Absperrband ausbringt. Ca. 30 – 45 Sekunden. Preis > Portokasse ! Vielleicht sollte man im Feuerwehr Magazin darüber mal einen Bericht bringen.

  4. Hans Sauer sagt:

    Schöne Werbung in eigener Sache oder wie darf ich ihren Beitrag verstehen Hr. Uhlig? Sichtschutz in Ehren, aber als Feuerwehr haben wir andere Aufgaben, wie Gaffer fern zu halten. Zum einen sind gerade bei einm schweren VU in der ersten Phase meist die Kräfte knapp und die Aufgaben groß. Da möchte ich, vor allem wenn es nur eine Staffelbesatzung ist keine Zeit mit Sichtschutz vergeuden. Zum zweiten möchte ich den Platz auf unseren Fahrzeugen gern für sinnvolles Zubehör verwenden. Und zum dritten bin ich Feuerwehrler und kein Ordnugshüter, der Gaffer in seine Schranken weist. Das ist Aufgabe der Polizei. Es ist ein gesellschaftliches Problem, kein „technisches“ das mit Sichtschutzwänden gelöst werden kann. Was verkaufen Sie mir dann als nächstes? Eine Komplette Zeltüberbauung, weil es immer mehr Drohnen gibt? Es muss wieder mehr Respekt geben in unserer Gesellschaft. Und das geht im Moment zumindest wohl nur über massive Strafen. Leider.

  5. Erik Marschall sagt:

    Herr Sauer, Sie haben Recht, für diese Aufgabe sind eigentlich andere Orga´s zuständig. Wenn ich aber als Feuerwehrler bei einem VU so behindert und bedrängt werde, daß ich meine Arbeit nicht mehr vernünftig ausführen kann und zwei Mann abstellen muß, um meinen „Arbeitsplatz“ frei zu halten, dann überlege ich mir doch, ob dieser Sichtschutz nicht sinnvoll ist.

  6. Uli sagt:

    Der Artikel ist aufgrund seiner Rechtschreibung nicht gerade ein Aushängeschild. Redigieren oder zumindest Korrekturlesen gibt es wohl nicht.

    Inzwischen hat sich in der Reaktion der zuständigen Stellen auf das Fehlverhalten von Gaffern so einiges getan. Deswegen sollte man nicht mit dem 20€-Argument kommen.

    Leider ist aber der Aufwand sehr groß, gerichtsfest begründen zu können. Und diese personellen Ressourcen sind einfach nicht da.

  7. Matthias Speck sagt:

    Stimme Herrn Sauer voll zu. Wo der Gesetzgeber versagt und darum die Ordnungsbehörde machtlos ist, darf nicht die Feuerwehr mit noch mehr Aufgaben „in die Bresche“ springen müssen. Lieber Herr Uhlig, verkaufen Sie ihr Produkt an Straßenmeistereien und sorgen Sie über Ihre Lobbyisten bei den Politikern dafür, dass hier geordnete Verhältnisse geschaffen werden. Wer Rettungsmaßnahmen behindert, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Dementsprechend ist diese Klientel auch zu behandeln !

Kommentare

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit...
Falls Sie ein Bild von sich beim Beitrag möchten: Gibts hier: Gravatar!