Freitag, 30. September 2016

Ereignisreicher Jahreswechsel für die Feuerwehren

Bremen – Der Jahreswechsel hat vielerorts die Einsatzkräfte im Land gefordert. Vom Containerbrand bis zur Terrorwarnung war so ziemlich alles dabei, was die Leitstellen an Einsatzstichworten vergeben können. „Dachstuhlbrand“, „Balkonbrand“ und „Müllereimerbrand“ mussten häufig gewählt werden. Im Fokus stand jedoch ein Tiefgaragenbrand im Kölner Stadtteil Porz, wo sich zwei Feuerwehrmänner schwer verletzten.

Während Deutschlands Bevölkerung meist feucht fröhlich den Jahreswechsel feierte, schoben unzählige Einsatzkräfte Dienst und rückten zu vielen Silvestereinsätzen aus. Alleine die Berliner Feuerwehr löschte 432 Brände in der Silvesternacht. Der Rettungsdienst musste in der Bundeshauptstadt sogar 1.547 Mal tätig werden. Mehrfach wurden die Berliner Feuerwehrleute mit Böllern und Raketen angegriffen. Zum Beispiel bei einem Schuppenbrand in Lichtenrade, der auf ein Einfamilienhaus übergegriffen hatte. Auch als die Flammen auf einem Balkon in Gesundbrunnen auf eine Wohnung überschlugen, wurden die Einsatzkräfte und Fahrzeuge mit Pyrotechnik attackiert. Insgesamt wurden zwei Einsatzfahrzeuge der Berliner Feuerwehr durch Feuerwerkskörper beschädigt.

Zwei Feuerwehrmänner in Köln schwer verletzt

Zu einem tragischen Unfall kam es bei einem Brandeinsatz in Köln (NW). Bei einem Feuer in einer Tiefgarage erlitten zwei Atemschutzgeräteträger der Löschgruppe Urbach schwere Rauchgasvergiftungen. Ein 44-Jähriger hatte eine erhebliche Menge Rauchgase eingeatmet, weil sich seine Atemschutzmaske stark verschoben hatte. Der Familienvater befindet sich nach wie vor auf der Intensivstation eines Kölner Krankenhauses. Sein Zustand hat sich aber stabilisiert. Ein 32-jähriger Kamerad hatte ebenfalls Rauchgas eingeatmet und musste das Wochenende in einem Krankenhaus verbringen. Auf diesen Atemschutznotfall werden wir zu einem späteren Zeitpunkt detaillierter eingehen.

Auch in Nürnberg (BY) kam es für die Feuerwehr zu einem schwierigen Einsatz bei einem Tiefgaragenbrand. Darin standen mehrere Pkw komplett in Flammen. Die massive Hitzeentwicklung führte zu erheblichen Schäden an dem Bauwerk. Es bestand Einsturzgefahr. Teilweise konnten die Löschmaßnahmen nur aus gesicherter Stellung durchgeführt werden.

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz war gegenüber der Feuerwache 2 ein Syrer zusammengebrochen. Freunde und Verwandte baten an der Wache um Hilfe. Feuerwehrleute transportierten den Mann in die Fahrzeughalle und leisteten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Erste Hilfe. Direkt in der Nachbarschaft, der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden griff ein Brand auf einem Balkon auf eine Wohnung über. Es entstand ein erheblicher Schaden.

Tragisch endete ein Feuerwehreinsatz 50 Kilometer nordöstlich von Wiesbaden – in Niddatal-Ilbenstadt (HE, Wetteraukreis). Dort kam es am Neujahrsmorgen im alten Ortskern zu einem verheerenden Dachstuhlbrand. Zirka 20 Bewohner konnten die Einsatzkräfte aus dem Wohngebäude retten, eine Person kam durch den Brand ums Leben. Rund 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Ein Mensch ist am Neujahrsmorgen 2016 bei einem Feuer in Niddatal-Ilbenstadt im Wetteraukreis ums Leben gekommen. Rund 100 Einsatzkräfte löschten den Dachstuhlbrand im alten Ortskern.

Eine Person stirbt bei einem Dachstuhlbrand in Niddatal-Ilbenstadt. Foto: einsatzfotos.tv/Jan Eifert

Großbrand in Lagerhalle in Bremen

Kurz nach Mitternacht war in Bremen die Brandsicherheitswache gefordert, welche das Bremer Rathaus bewacht. Die Brandmeldeanlage hatte ausgelöst, weil ein Feuerwerkskörper durch ein defektes Fenster in die obere Rathaushalle eingedrungen war. Doch es kam nicht zu einem Folgebrand. Jedes Jahr zu Silvester verrichten bis zu vier Beamte im Rathaus, UNESCO Weltkulturerbe, eine Brandsicherheitswache.

Im Bremer Stadtteil Walle kam es in der Silvesternacht zu einem Großbrand. Eine Lagerhalle stand auf einer Fläche von zirka 500 Quadratmeter in voller Ausdehnung in Flammen. Kräfte der Berufsfeuerwache 5 sowie der Freiwilligen Feuerwehren Burgdamm und Grambkermoor bekämpften den Brand mit einem massiven Löschwassereinsatz. So verhinderte die Feuerwehr eine Brandausbreitung auf ein angrenzendes Wohnhaus. In der Halle waren hauptsächlich Möbel gelagert.

In der rund 100 Kilometer entfernten Millionenstadt Hamburg rückte die Feuerwehr ebenfalls zu einem Großeinsatz aus. Es brannte ein Dachstuhl in einem 6-geschossigen Pflegeheim in Ottensen. Der Rauch breitete sich in den oberen Geschossen sowie in den Treppenräumen aus. Dadurch bestand für die Bewohner Lebensgefahr. 91 Bewohner rettete die Feuerwehr mit Unterstützung anderer Helfer ins Freie. „Insgesamt wurden 38 Bewohner mit dem Großraumrettungswagen zwecks Betreuung und drei Bewohner (2x Rauchgasintoxikation,
1x Asthmaanfall) für eine stationäre Behandlung in die Asklepios Klinik Altona befördert“, meldete die Feuerwehr Hamburg. Mit mehreren C-Rohren im Innenangriff und von außen bekämpften die Einsatzkräfte die Flammen.

Die Münchner Feuerwehr meldete 144 Feuerwehreinsätze gegenüber 173 Stück im Vorjahr. Doch sie wurde durch andere Ereignisse gefordert. Die Polizei erhielt abends Hinweise, dass in München ein Terroranschlag geplant sei. Der Hauptbahnhof und der Bahnhof Pasing wurden vorübergehend gesperrt. Zwei Löschzüge gingen in Bereitstellung und ein Führungsstab wurde eingerichtet.

Auch in Stuttgart verlief die Silvesternacht mit Blick auf die reinen Feuerwehreinsätze ruhiger als in den Vorjahren. Auffällig waren hier jedoch die zahlreichen Rettungsdienst-Einsätze aufgrund von übermäßigem Alkoholgenuss, aber auch Hand- und Gesichtsverletzungen durch den unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern.

Betreuer rettet zehn Flüchtlinge vor den Flammen

Knapp 70 Kilometer entfernt von Stuttgart zerstörte ein Großbrand eine Flüchtlingsunterkunft in Ruppertshofen (BW, Ostalbkreis). Das Feuer war in einem Anbau des Gebäudes ausgebrochen und griff rasant auf die Unterkunft über. Ein Betreuer bemerkte den Brand und weckte die zehn 15- bis 18-jährigen Flüchtlinge. Sie konnten sich vor Eintreffen der Feuerwehr ins Freie retten. Die Flammen erfassten den Dachstuhl. Zur Brandbekämpfung und zur Versorgung der jungen Migranten kamen zirka 200 Kräfte zum Einsatz.

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Brand zerstört Flüchtlingsunterkunft in Ruppertshofen (BW). Foto: 7aktuell/Andreas Friedrichs

Um kurz nach 1 Uhr ging es in der Integrierten Regionalleitstelle in Braunschweig (NI) rund. Ein Anrufer meldete einen Wohnungsbrand. Doch zu diesem Zeitpunkt waren die Löschzüge der Berufsfeuerwehr komplett in andere Einsätze eingebunden. So musste der Disponent rotieren, um ausreichend Einsatzkräfte und Fahrzeuge zum Brandort zu alarmieren. Zunächst setzte der Disponent den noch auf der Hauptwache verfügbaren B-Dienst mit zwei weiteren Einsatzkräften ein, mit einem Tanklöschfahrzeug zum Einsatzort auszurücken. Der Bewohner stand bereits vor dem Gebäude, aus zwei Fenstern seiner Wohnung im fünften Obergeschoss schlugen Flammen. Der Einsatzleiter forderte Verstärkung, vor allem durch zwei Drehleitern, an. Die Disponenten in der Leitstelle konnten eine Drehleiter aus einem Paralleleinsatz abziehen, als zweite Drehleiter musste ein Reservefahrzeug herhalten. Sie wurde in der Hauptwache von Kräften der Rüststaffel besetzt. Zudem konnten an einer weiteren Einsatzstelle ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug ausgelöst werden. Die Ortsfeuerwehren Innenstadt und Watenbüttel ergänzten diese Einheiten. Mit diesem Kräfteeinsatz verhinderte die Feuerwehr eine erhebliche Brandausbreitung.

Fünf Löschzüge bekämpften in Pinneberg (SH) einen Dachstuhlbrand eines zweigeschossigen Geschäftshauses. Über sieben Stunden war die Freiwillige Feuerwehr Pinneberg im Einsatz – unterstützt durch Kameraden aus Schenefeld und Prisdorf. Die Kräfte konnten eine Brandausbreitung verhindern. Doch der Dachstuhl des Brandobjektes wurde zerstört.

(Text: Christian Patzelt / Thomas Weege)

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