Sonntag, 20. August 2017

Brand neben der Feuerwehr-Magazin-Redaktion

14. März 2011 von  

Bremen – Kurioses Ereignis in der Redaktion des Feuerwehr-Magazins: Durch das Warnsignal eines Rauchmelders ist die Redaktion am Montag auf einen (Entstehungs-) Brand in der Nachbarschaft aufmerksam geworden – obwohl das betroffene Gebäude rund 50 Meter entfernt liegt. Ein kleiner Kurzreport aus der Perspektive von Feuerwehr-Magazin-Redakteur Michael Klöpper.

Es ist kurz vor 11.30 Uhr. Die morgendlichen Mails sind abgearbeitet, jetzt soll es mit dem abschließenden Verfassen einer Reportage weitergehen. Kurz das Fenster auf, Stoßlüften. Mit frischer Luft arbeitet es sich besser. In das Rauschen und Brummen des Verkehrslärms fügt sich ein Geräusch ein, das irgendwie nicht so richtig passen mag. Fiep-Fiep-Fiep. Ruhe. Fiep-Fiep-Fiep. Ruhe. „Das ist doch ein Rauchmelder?“ durchfährt es mich sofort. Es ist nichts zu erkennen, das Geräusch wird immer wieder durch Autolärm übertönt. „Olaf, kannst Du mal kurz rüberkommen?“ Kollege Olaf Preuschoff – ebenfalls aktiver Feuerwehrmann – lauscht ebenfalls. „Stimmt, das könnte ein Rauchmelder sein“, vermutet auch er. Für einen Anruf bei der Feuerwehr ist mir das aber noch zu vage.

Kurzerhand schnappe ich mir Jacke, Handy und Schlüssel und begebe mich nach draußen. Ausschluss-Verfahren. Wo könnte das herkommen? Aus dem eigenen Firmengebäude? Negativ. Aus der Turnhalle des Polizeipräsidiums nebenan? Unwahrscheinlich. Vielleicht aus den großen Wohnblöcken gegenüber. Es bleibt nur ein Zweifel, ob der Signalton wirklich so weit zu hören ist. Eine vierspurige Straße und zwei Gleisstränge der Straßenbahn trennen mich noch von dem Objekt. Doch je näher ich den Gebäude komme, desto lauter wird das Fiepen. Auf dem Gelände des Polizeipräsidiums arbeiten Gärtner, Polizisten halten ihre Raucherpause ab. Eigentlich müssten auch sie den Ton hören, aber es reagiert keiner. Später überlege ich: Wer das Signal eines Rauchmelders nicht kennt, verbindet das nicht mit Gefahr. Schade, aber irgendwie logisch. In der Stadt piept, hupt und brummt es doch ständig. Autoalarmanlagen, rückwärtsfahrende Müllwagen, Gärtner mit einer Hubarbeitsbühne…

Automaten-Ansage beim Notruf

Vor dem Haus wird der Ton immer lauter. Bingo. Ein Fenster im ersten Stock ist gekippt, deutlich sichtbar dringt Qualm aus der Wohnung. Noch nichts wildes. Sofort kommt mir der Gedanke: Geruch, Rauchintensität und Uhrzeit – das könnte Essen auf dem Herd sein. Während ich sämtliche Klingelknöpfe drücke, wähle ich zeitgleich den Notruf 112. Und wundere mich. Ich werde erstmal nur von einer automatischen Frauenstimme begrüsst. Zehn Sekunden später übernimmt ein Disponent den Anruf. Gerade als ich die Lage schildere, kommt eine Frau um die Ecke. „Ich hab auch gerade angerufen.“ Das bestätigt mir die Leitstelle: „Ich höre gerade, wir sind unterwegs.“ Die Anwohnerin berichtet mir, dass auch sie durch das Piepen auf den Qualm aufmerksam geworden ist. Es sei aber keiner im Haus, sie habe überall geklingelt.

Einsatz der Feuerwehr Bremen, direkt gegenüber der Redaktion des Feuerwehr-Magazins. Gerade trifft der Einsatzleitdienst ein. Foto: Olaf Preuschoff

Einsatz der Feuerwehr Bremen, direkt gegenüber der Redaktion des Feuerwehr-Magazins. Gerade trifft der Einsatzleitdienst ein. Foto: Olaf Preuschoff

Schon eine Minute später ist der mehrtönige Chor der Pressluftfanfaren zu hören. Die nur unweit gelegene Wache 2 trifft mit zwei Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugen und einer Drehleiter ein. Wenig später folgen Einsatzleitdienst und Rettungswagen. Ich mache mich an der Straße bemerkbar und weise auf die Zufahrt hin – ganz so wie ich es mir als Feuerwehrmann schon bei so manchem Einsatz gewünscht hätte. Kurze Kenntnis-Weitergabe an den Einsatzleiter und dann ab in den Hintergrund, bloss nicht im Weg rumstehen. Und dann ertappe ich mich, dass ich bei diesem Einsatz – obwohl Zuschauer – im Geiste ein „Einsatz-Beifahrer“ bin. Der Führungskreislauf spult sich im Kopf ab, ich denke meine Maßnahmen und Befehlsgebung durch… Und stelle dabei mal wieder fest: Traue nie der ersten Aussage – von wegen „niemand mehr im Haus!“ Mit Eintreffen der Feuerwehr tauchen plötzlich an den Fenstern und Türen diverse Bewohner – vorwiegend Rentner – auf, die offenbar vorher einfach nicht geöffnet hatten. Zum Glück sind sie nicht wirklich in Gefahr.

Einsatz wird schnell abgewickelt

Derweil wickeln die Kollegen der BF Bremen routiniert und zügig ihren Einsatz ab. Ein Atemschutztrupp geht mit einem C-Rohr zur Erkundung vor, die Tür wird geöffnet, kurz darauf ist der Spuk auch schon beendet. Es war tatsächlich vergessenes Essen auf dem Herd. Die Gefahr kann ohne Löscheinsatz beseitigt werden, Entdeckung und Einsatz kamen rechtzeitig. Für die Statistik ist es ein Entstehungsbrand, eine Bagatelle. Nach einem Lüftereinsatz rückt die Feuerwehr auch schnell wieder ein.

Eine interessante Information erfahre ich nebenbei: Das Gebäude gehört zu einer großen Bremer Wohnungsbaugesellschaft. Und die hat – noch vor Inkraftreten der Rauchmelderpflicht in dem Bundesland – begonnen, ihre Häuser mit Rauchmeldern auszustatten. Wie wertvoll das sein kann, hat dieser Vorfall eindrucksvoll bewiesen.

Kommentare

4 Kommentare zu “Brand neben der Feuerwehr-Magazin-Redaktion”
  1. sueder80 sagt:

    Das diese Wohnungsbaugesellschaft alle ihre Wohnungen mit Rauchmeldern ausstattet ist vorbildlich.
    Traurig ist hingegen das keiner der Hausbewohner den Rauchmelder gehört hat bzw. richtig deuten konnte.

  2. Lena sagt:

    das beweist doch wieder das zitat:
    „Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für jeden Einzelnen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss!“
    Oberverwaltungsgericht Münster (AZ: 10A363/86)

    und hier war das ende gekommen… aber das ende ist ja wieder der anfang…

  3. Sven sagt:

    Es wäre technisch viel aufwändiger, aber die Durchsage Feuer wäre mit Sicherheit viel wirkungsvoller, schon weil dann weniger Zweifel über das Geräusch bestehen.

  4. Michael sagt:

    Es sollen ja Wohnhäuser auch mit Rauchmelder ausgestattet sein z.B. in der Küche wo am ehesten brennen kann und dort wo die Kinder Schlafen in Schlafzimmer sowie in den Flurräume in jeder Etage einer wenn eine Große Wohnung ist sowie in den Räumen wo elektrische sachen sind aber wo die leute ganz selten sind z.B. Keller wo die Waschmaschine steht oder ähnliches. Bin selber bei einer Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Da muss man gut hin hören wenn viel Verkehr ist. Rauchmelder hört sich fast so an wie eine Autoalarmanlage ohne Hupe. So was ist heute bei mir Früh gewesen aber es war ein Nachbarauto gegen über gewesen. Da habe ich schon nach 2 mal schauen auf der Straße ein PKW gesehen das Gelblicht die ganze Zeit geblinkt hat. Daneben war eine Katze weg gelaufen die vermutlich am Auto an der Motorhaube war. Genau hinhören wenn man piepsen hört von draußen und in allen richtungen schauen was es sein könnte. Dann erst notruf absetzen wie bei den Fall in Bremen. Wir wollen ja die teuren Fehlalarme ersparen.

Kommentare

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