Farbcodes helfen weiter

Kennzeichnungswesten: Wer hat welche Funktion an der Einsatzstelle?

Eine Großschadenslage, vor Ort wimmelt es nur so vor Funktionsträgern der Feuerwehr. Doch wer nimmt welche Aufgaben wahr und wer hat hier das Sagen? Farbige Kennzeichnungswesten und Koller, die über beziehungsweise an der Feuerwehrbekleidung getragen werden, können einen schnellen Überblick über Kompetenzen und Aufgaben verschaffen. 

Farbige Koller zur Kennzeichnung: Führungskräfte der Feuerwehr Hamburg an einer Einsatzstelle. (Bild: Matthias Köhlbrandt)

Ein Reisebus kollidiert auf der Autobahn mit einem Sattelzug und stürzt um. Mehrere Pkw rasen in die Unfallstelle hinein. Einige Insassen werden schwer verletzt, manche eingeklemmt. Der Lkw geht in Flammen auf.

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Um genug Einsatzkräfte aufbieten zu können, alarmiert der Leitstellen-Disponent unter anderem mit den Stichworten “Verkehrsunfall”, “Mehrere Personen eingeklemmt” und “Massenanfall von Verletzten” (MANV) nicht nur die für den Autobahnabschnitt zuständige Feuerwehr. Auch weitere Einheiten aus dem Nachbarlandkreis sowie ein Großaufgebote der Polizei, des öffentlichen Rettungsdienstes sowie Schnell-Einsatz-Gruppen der Hilfsorganisationen werden zum Unfallort entsandt.

Schnell sammeln sich vor Ort Führungskräfte und Funktionsträger: Einsatz- und Abschnittsleiter von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst, Zugführer Feuerwehr, (Leitende) Notärzte, Fachberater, Pressesprecher sowie Notfallseelsorger. Für eine effektive Arbeit müssen alle Einsatzkräfte schnell erkennen können, wer mit welcher Aufgabe betraut ist. Dies lässt sich mit Kennzeichnungswesten und Kollern erreichen, die zusätzlich zur Persönliche Schutzausrüstung Feuerwehr (PSA) getragen wird.

Feuerwehrbekleidung: Farbcode zur Unterscheidung

„Spätestens bei Großschadenslagen ist eine durchgängige und einheitliche Kennzeichnung von Führungsstrukturen/Führungskräften wesentlicher Bestandteil für den Einsatzerfolg”, schreibt der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) in seiner Fachempfehlung Nr. 4/2004 „Kennzeichnung von Führungskräften“. Helmkennzeichnungen eignen sich laut DFV dafür nicht, da diese nur die Funktion innerhalb der Feuerwehr beziehungsweise der Kommune und des Kreises wiedergeben. 

Der Deutsche Feuerwehrverband empfiehlt daher einen vierteiligen Farbcode zur Unterscheidung der Funktionen, mit denen Kräfte bei einem Einsatz betraut werden: Gelb für den Einsatzleiter, Weiß für die Abschnittsleiter, Rot für die jeweiligen Zugführer und Grün für Pressesprecher und andere Fachberater.

Auswahl an Kennzeichnungswesten für die Feuerwehr.
Auswahl an Kennzeichnungswesten für die Feuerwehr. (Bild: Rescue-tec)

Die DFV-Fachempfehlung ist das einzige länderübergreifende Dokument zur Kennzeichnung. Eine Norm zu Kennzeichnungswesten und -kollern für Führungskräfte/Funktionsträger bei Feuerwehren gibt es nicht. Feuerwehren in den einzelnen Bundesländern müssen sich daher bei der Beschaffung von Westen und Kollern an den jeweiligen Empfehlungen, Erlassen, Richtlinien und Verordnungen orientieren.

Länderspezifische Unterschiede bei Kennzeichnungswesten

In vielen Ländern entspricht die Farbgebung in etwa der DFV-Empfehlung. Weit verbreitet ist außerdem die Farbe Blau für Fahrzeug-, Staffel- beziehungsweise Gruppenführer. In Berlin, Niedersachsen und Sachsen sind diese rot, in Hessen orange gekennzeichnet.

Für den Leiter der Atemschutzüberwachung werden oft weiße Westen mit Schachbrettmuster verwendet. In Hessen wiederum ist dafür eine blaue Weste vorgesehen. Nahezu durchgehend sind violette Westen für Notfallseelsorger beziehungsweise Kräfte der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Einsatz.

Beispiel für das Tragen von Kennzeichnungswesten bei einem Brand.
Beispiel für das Tragen von Kennzeichnungswesten bei einem Brand. (Bild: Timo Jann)

Für die Rettungsdienst-Funktionen “Leitender Notarzt” (LNA) und “Organisatorischer Leiter Rettungsdienst” (OrgL, OrgL RD, OLRD) gibt es wiederum länderspezifische Verordnungen und Empfehlungen mit ganz unterschiedlichen Farbcodes.

Zusätzlich zur Farbe können den Trägern mit Hilfe von Brust- und Rückenschildern oder Beschriftungen beispielsweise Funktionen („Fahrzeugführer“), Einheiten („FF Musterstadt“) und Fahrzeuge („1/41/1“) im Klartext zugeordnet werden.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Föderalismus halt, denn eine Zentralregierung die bestimmt, gibt es nicht. Die Länder-Innenministerien können sich ja auch nicht auf eine gleich aussehende Uniform, oder Dienstgradabzeichen einigen, von den Dienstgradbezeichnungen ganz zu schweigen: Wer in den südlichen Bundesländern bei einer FF Hauptbrandmeister ist, der ist in NRW schon mindestens Brandoberinspektor, was ein Freiwilliger im Süden ohne Studium und Laufbahnlehrgang nie erreichen kann.

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  2. Bundeseinheitlich geht in D-Land garnichts! Hier hat um jeden Kirchturm herum ein anderer Häuptling das Sagen!

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  3. Ich finde, dass es mit diesen Kennzeichnungswesten überhand genommen hat. Ohne Weste ist man ja fast nackt . . .

    Hier wäre weniger mehr.

    Kleines Beispiel: Man sollte meinen, die Kennzeichnung “Einsatzleiter” dürfte es nur EINMAL an der Est. geben. Allerdings ist das ein Trugschluss. Meiner Erfahrung nach, ist die Farbe grün (Hessen: Pressesprecher) die exklusivste vor Ort. Die gab es an 9 von 10 Einsatzstellen tatsächlich nur einmal.

    Eine bundeseinheitliche Regelung wäre ein Traum. Brandschutz ist Ländersache, so dengelt jeder so wie er es braucht 🙂

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  4. Da sprechen Sie mir aus dem Herzen! Was ist denn im Falle von länderübergreifenden Einsätzen. Man glaubt echt manchmal man ist wieder bei den Primaten gelandet!

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  5. Immer muss alles unterschiedlich sein.
    Warum macht man mal eine Sache bundesweit einheitlich?
    EL gelb, GF/Fahrzeugführer blau, Aü weiß Schachbrett, Presse/Fachberater grün und PSU lila.
    Es ist genau wie bei der Ausbildung.
    Da werden in einigen Bundesländer die Ausbildungen nicht anerkannt, wie verwerflich ist das Feuerwehrsystem eigentlich in Deutschland?

    *Kopf auf den Tisch schlage*

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