Samstag, 10. Dezember 2016

Freiwillige Feuerwehr Torgau

8. September 2014 von  

Trotz der Kreisreformen in Sachsen ist die Feuerwehr der Stadt Torgau (Kreis Nordsachsen) der unverzichtbare Fixpunkt für die Region. Ihre drei Trümpfe: moderne Feuerwache mit Feuerwehr Technischem Zentrum, starker Fuhrpark und eine schlagkräftige Mannschaft. Die engagierten Kameraden feiern im August 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Torgau. Wir stellen die Sachsen vor.

Wer in Torgau den Notruf 112 wählt, landet in der Leitstelle Nordsachsen im 50 Kilometer entfernten Delitzsch. Die Disponenten alarmieren dann die Freiwillige Feuerwehr Torgau über ihre Pieper. Als erste Kräfte stehen meistens Frank Schmidt und Steffen David in der Fahrzeughalle. In der Nacht ohnehin, denn die beiden wohnen mit ihren Familien in der Feuerwache. Aber auch am Tag sind sie in der „Pole Position“: Schmidt ist hauptamtlicher Gerätewart für die Feuerwehr Technische Zentrale in der Torgauer Wache, gemeinsam mit Uwe Hesse. David ist Hausmeister, zuständig für Haus und Hof sowie die direkt angrenzende Turnhalle der Stadt. Hesse, Schmidt und David sind zudem Mitglieder der FF Torgau.

Zirka 150 Mal im Jahr schrillen die Pieper der Aktiven. Im Einsatzfall lassen sich die Türen über einen Taster automatisch öffnen, bei nächtlichem Alarm geht im ganzen Haus das Licht an. Der ersteintreffende Feuerwehrmann betätigt einen Alarm-Schalter im Haus. So springt direkt die Abgasabsauganlage an. Der Kamerad geht zum Alarmfax und kann über eine Licht-Tafel die Fahrzeuge anzeigen lassen, die ausrücken sollen.
In der Regel fahren der Einsatzleitwagen (ELW) mit 1/1, das Tanklöschfahrzeug (TLF) 16/25 mit 1/5 sowie die Drehleiter (DLK) mit 1/2 raus. Den ELW besetzt am Tag Reiner Reimann als Einsatzleiter. Er ist seit 2001 Wehrleiter der FF Torgau und zugleich Stadtwehrleiter. Auch Reimann ist hauptamtlich angestellt. Als Stadtwehrleiter fungiert er außerdem als Ansprechpartner für sieben weitere Ortsteilwehren der Stadt Torgau – in Graditz, Melpitz, Beckwitz, Bennewitz, Loßwig, Staupitz und Mehderitzsch. „Den Rettungsdienst leistet bei uns das Deutsche Rote Kreuz“, erklärt Reimann.

Die Zukunft im Blick

„Aktuell gehören der Wehr 76 Aktive an“, erzählt der Wehrleiter. Das ist auch in der guten Jugendfeuerwehrarbeit der letzten Jahre begründet. Seit 50 Jahren besteht die Jugendabteilung, zunächst als Gruppe junger Brandschutzhelfer, seit der Wende als JF. In zwei Altersgruppen ist die Jugendfeuerwehr mit ihren zirka 25 Mitgliedern aufgeteilt: sechs bis zehn Jahre sowie elf bis 17 Jahre. „So können wir unseren Nachwuchs altersgerecht ausbilden“, beschreibt Jugendwart Klaus Dieter Richter.

„Leider verlieren wir auch viele junge Menschen, weil sie zur Ausbildung Torgau verlassen. Wir haben keine großen Industriebetriebe und nur begrenzte Ausbildungs-Angebote des Handwerks. Viele Betriebe können sich gerade so über Wasser halten“, bemerkt der Wehrleiter. „Wir können eigentlich nicht zu laut klagen, verfügen über eine sehr schlagkräftige Feuerwehr. Aber es könnte halt noch besser sein.“

Reimanns Stellvertreter sind Rudolf Arndt und Thomas Richter. Der 33-jährige Richter ist das beste Beispiel, dass auch in der Be-setzung der Führungspositionen an die Zukunft gedacht wird. „Ich mache meine Aufgabe gerne, stehe zur Stadt Torgau und komme aus der Jugendfeuerwehr“, sagt Richter und schmunzelt. „Die Feuerwehr ist wie Familie.“ Und dast stimmt wirklich. Richters Bruder, Vater, Schwester und sein Onkel sind ebenfalls aktive Feuerwehrleute. Die Schmidts halten dagegen: Frank Schmidts Töchter Melanie und Denise gehören auch zur Einsatzabteilung, genauso wie deren Mutter. „Aber wir sprechen nicht nur wegen unseren Verwandten bei der Feuerwehr von einer großen Familie“, sagt Denise Schmidt. „In unserer Einheit zählen Werte wie Tradition und Vereinsleben. Auch der Feuerwehralltag, Einsätze und Wettkämpfe schweißen zusammen.“

Die Torgauer betreiben Feuerwehrsport mit drei Teams auf Kreis- und Landesebene: Die Jugendmannschaft tritt im Löschangriff und im Gruppenstaffellauf (5 x 80 Meter) an. Im Löschangriff und im 100-Meter-Hindernislauf startet die Männer-mannschaft. Das Frauenteam ist in der Disziplin Löschangriff dabei.

Reimann weiß: „Wir sind eine Feuerwehr mit einer großen Altersspanne. Natürlich entstehen auch Konflikte durch die Gene“rationen. Aber wir Älteren müssen halt auch lernen, jungen Menschen das Vertrauen zu schenken. Wir wollen eine gute Mischung aus Erfahrung und neuen Ideen schaffen.“ Aktuell steht aber vor allem die Geschichte der Wehr im Fokus.

2014 feiert die FF Torgau ihr 150-jähriges Jubiläum – mit unterschiedlichen Aktionen vom 13. bis 17. August (siehe Kasten). 1864 verabschiedete die Versammlung des Torgauer Turnvereins das Grundgesetz der Freiwilligen Feuerlösch- und Rettungskompanie. Es entstand die Freiwillige Turnerfeuerwehr Torgau. Sieben Jahrzehnte später, 1934, wurden Einheitswehren in allen Städten und Gemeinden des dritten Reiches eingeführt. Sie hießen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Feuerlöschpolizei. Erst dann wurde die Einheit offiziell zur Freiwilligen Feuerwehr Torgau umbenannt.

Zwei wichtige Einrichtungen flankieren die Feuerwehr in der Stadt Torgau. Auf der einen Seite der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Torgau e.V., der dieses Jahr am 1. Januar sein zehnjähriges Bestehen feierte. Viele Unternehmen sind Mitglieder im Förderverein – sogar die Stadt – und bringen neben Spenden auch Kontakte und Tatkraft ein.

Im Jubiläumsjahr ist auf der anderen Seite besonders der Torgauer Feuerwehrmuseum e.V. gefragt. Dessen Mitglieder wirken vor allem an der Fahrzeugausstellung und dem großen Festumzug mit. Der Verein arbeitet eng mit dem Stadt- und Kulturgeschichtlichen Museum zusammen, stellt dort anlassbezogen Fahrzeuge und Technik aus. Stolz sind die Torgauer darauf, dass viele der Fahrzeuge noch funktionstüchtig sind, sogar eine Drehleiter (DL) 26 von Magirus auf Mercedes-Gaggenau-Fahrgestell, Baujahr 1913.

Die FF Torgau spielte schon vor der Wende eine sehr wichtige Rolle für den damaligen Kreis Torgau – heute Altkreis Torgau genannt. Als Kreisstadtfeuerwehr war die FF eine Stützpunktfeuerwehr. Sie fuhr zu Einsätzen im gesamten Kreisgebiet. Heute gibt es im Freistaat Sachsen keine nominellen Stützpunktwehren mehr.

Wichtige und gute Basis der Feuerwehr ist ihr Standort am Leipziger Wall, fünf Gehminuten vom Torgauer Marktplatz entfernt. Dort wurde zu Beginn der 1990er Jahre eine neue Feuerwache errichtet und um einen Neubau erweitert…

eDossier: Freiwillige Feuerwehr Torgau.

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