Mittwoch, 18. Januar 2017

Freiwillige Feuerwehr Itzehoe

29. April 2015 von  

Wenn der Zeitaufwand für die Wehrführung zu hoch ist, dann müssen die Aufgaben auf mehr Schultern verteilt werden. Mit diesem Konzept fährt die Freiwillige Feuerwehr Itzehoe (SH) sehr gut. Eine beispielhafte Maßnahme: Zwei „Assistenten der Wehrführung“ unterstützen ihre Vorsitzenden. Holger Bauer stellt die Feuerwehr Itzehoe vor, bei der zurzeit kein Stein auf dem anderen bleibt.Sie fährt 400 Einsätze im Jahr, zählt 105 Aktive, verfügt über 17 Fahrzeuge, 25 Kameraden gehören zur Alters- und Ehrenabteilung und 24 Nachwuchskräfte zur Jugendfeuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr Itzehoe zu führen, ist vergleichbar mit der Leitung eines mittelständischen Unternehmens. Als Hobby geht dieses Ehrenamt kaum noch durch. Das weiß Peter Happe, der seine Brötchen eigentlich als Techniker der Telekom verdient, am besten. Seit knapp zwei Jahrzehnten steht der 62-Jährige an der Spitze der FF Itzehoe. 2012 wählten ihn seine Kameraden zum vierten – und letzten – Mal als Wehrführer wieder. Weil er aber keine volle sechsjährige Amtszeit bis zum Eintritt in die Ehrenabteilung mehr hat, gilt die Wahl nur für drei Jahre. Doch was kommt dann?

Wer führt künftig die Feuerwehr Itzehoe?

„Genau das ist die drängende Frage, die uns in der Wehr seit einigen Jahren beschäftigt“, so Happe. Ganz offensiv hat er den Wehrführerposten unter den Führungskräften angeboten. Ohne Erfolg. Stellvertreter Achim Netzow (51) winkte schon lange ab – sein Arbeitgeber spielt nicht mit. Von den drei Zugführern und insgesamt zwölf Gruppenführern der drei Löschzüge zeigte ebenfalls keiner Interesse. „Wir haben alles versucht – nun seid ihr dran“, sagte der Feuerwehrchef irgendwann zu Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen. Gemeinsam überlegten sie hin und her. 2010 wurden die Überlegungen konkreter und schließlich auch kreativer. Happe brachte den Vorschlag, einen Freiwilligen in ausgewählte Aufgabenbereiche der Wehrführung einzuführen, zu Terminen beim Ordnungs- oder Bauamt mitzunehmen und kleine Aufgaben an ihn zu delegieren. „So konnten meine Mitstreiter am besten sehen, wie viel Arbeit das tatsächlich ist. Aber auch, wie viel Spaß das eigentlich macht“, betont der 62-Jährige.

Die Idee der „Assistenz der Wehrführung“ war geboren. Dumm nur, dass eine solche Funktion im schleswig-holsteinischen Brandschutzgesetz oder einem Erlass nirgends zu finden ist. „Egal, wir machen das einfach“, entschieden sich die Itzehoer Kameraden und stellten das Konzept der Stadtverwaltung vor. Dort traf die Feuerwehr mit ihren Plänen direkt auf offene Ohren.

Zunächst wurde die Idee im Gespräch mit dem Bürgermeister konkretisiert und gleich noch eine Schippe draufgelegt: Es sollen besser gleich zwei Assistenten sein. Wenn einer am Ende doch abwinkt, ist da immer noch ein weiterer. Und die beiden sollten von Beginn an eine Aufwandsentschädigung erhalten. Diese Vorlage passierte ohne Gegenstimme den in Itzehoe für die Feuerwehr zuständigen Bauausschuss und dann auch den Finanzausschuss. Happe: „Unsere Idee ist zwar im Brandschutzgesetz so nicht vorgesehen. Aber um Lust und Bereitschaft für dieses Ehrenamt zu schaffen, sollte jedes Mittel erlaubt sein.“

Nebenher sorgte die Idee auch im Kameradenkreis für Gesprächs- und Diskussionsstoff, bis es schließlich zur Wahl der Assistenten im Oktober 2012 kam. Vier Mitglieder ließen sich von dem Konzept begeistern und kandidierten im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Die Wahl fiel auf die beiden Zugführer Mark Bollhardt (46) und Ralf Köhn (52). Beide kannten aufgrund ihrer Zugführerfunktion schon die Grundzüge der Wehrführerarbeit.

Als erstes Projekt erstellte die neu aufgestellte Führungsriege ein angepasstes Organigramm. Mark Bollhardt zeichnete gemeinsam mit dem stellvertretenden Wehrführer für die Alarm- und Ausrückordnung, für die Betreuung der neuen Mitglieder, die Aufstellung des Schulungsplanes sowie für Ausrüstung und Gerätschaften verantwortlich. Ralf Köhn übernahm die Bereiche Begehungen und Terminverwaltung, die Zusammenarbeit mit den Nachbarwehren, die Einsatznachbesprechungen und den Dienstsport. Die beiden gewählten Assistenten waren als Zugführer ohnehin Vorstandsmitglieder.

Die Itzehoer einigten sich, die neuen Funktionen grundsätzlich als beratende Mitglieder in den Vorstand aufzunehmen. So ist auch der Weg geebnet, wenn in den nächsten Jahren Kameraden ohne andere Funktionen als Assistenten gewählt werden.

Knackpunkt ist der Zeitaufwand

„Grundsätzlich besteht große Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Happe. „Wir haben ja auch viele Mitstreiter als Zug- und Gruppenführer.“ Es gehe bei der Wehrführersuche nie darum, dass die Kameraden kneifen. Knackpunkt sei der Zeitaufwand.

Das Assistenten-System läuft seit Ende 2012. Happe und Netzow spüren eine deutliche Entlastung in ihren Aufgaben und die beiden Assistenten haben Spaß in ihrer Funktion. Noch hat zwar keiner von beiden für die Wehrführerwahl im Jahr 2015 seinen Hut in den Ring geworfen. Köhn ist selbständiger Servicetechniker auf Provisionsbasis und genießt kaum berufliche Freiheiten für sein Ehrenamt. „Der Wehrführerposten ist fast wie ein Halbtagsjob“, sagt der 52-Jährige. „Das kann ich nicht mal eben so nebenbei machen. Die Stadt weiß das auch.“

Um die Bereitschaft einzelner Personen weiter zu fördern, strebt der Feuerwehr-Vorstand außerdem an…

eDossier: Freiwillige Feuerwehr Itzehoe.

Kommentare

2 Kommentare zu “Freiwillige Feuerwehr Itzehoe”
  1. Daniel sagt:

    Was ist nur bald aus dem Feuerwehrmagazin geworden? Nun werden schon „normale“ Artikel gegen Aufpreis im e-dossier angeboten? Eine bedenkliche Entwicklung wie ich finde. Das Heft ist mit 4,80 Euro schon teuer genug. Seit über 10 Jahren lese ich euch schon jeden Monat. Aber diese Entwicklung finde ich so langsam echt bedenklich…
    Schade drum. Macht so weiter, aber vergesst nicht, es gibt auch noch andere Magazine…

  2. Redaktion Feuerwehr-Magazin sagt:

    Hallo Daniel,

    schön, dass Du schon so lange das Feuerwehr-Magazin liest, das freut uns wirklich sehr. 🙂

    Warum Du das Angebot der eDossiers als bedenkliche Entwicklung siehst, können wir nicht nachvollziehen. Für Dich als treuen Leser ergibt sich keinerlei Nachteil – schließlich erwirbst Du mit dem Heft alle Artikel und behälst sie in gedruckter Form.

    Die eDossiers haben einen anderen Ansatz. Es ist einfach ein anderer Weg, um Lesern den gewünschten bzw. thematisch speziellen Einzelinhalt anzubieten – das ist in Zeiten einer sich rasant verändernden Medienlandschaft sehr wichtig. Manch einer mag heute gar keine Papierzeitschriften mehr – sondern verlässt sich lieber auf Smartphone, Tablet, eReader & Co.

    Die eDossiers richten sich vor allem an Menschen, die das Feuerwehr-Magazin nicht, oder nicht regelmäßig lesen, oder sich speziell für einen älteren Artikel interessieren. Hiermit besteht die Möglichkeit, sich Artikel zu einzelnen Themen sofort (ohne Wartezeit) zu erwerben, ohne gleich ein ganzes Heft kaufen zu müssen. Mehr noch, die eDossiers sind zum Beispiel auch noch verfügbar, wenn das gedruckte Heft längst nicht mehr lieferbar ist. So interessiert sich vielleicht bei diesem Beispiel ein Einwohner von Itzehoe für seine Feuerwehr – hat aber das Heft mit der Reportage verpasst und freut sich über dieses Angebot. Außerdem eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten mit dem digitalen Portfolio – z. B. Themen-Specials, die mehrere Artikel zusammenfassen (wie z. B. die Reportagepakete über die Feuerwehren in München und Stuttgart). Oder auch Grafiken zum Download, etc.

    Übrigens: Wir geben auch stets an, aus welchen Heften die Beiträge stammen. So ergibt sich keinerlei Nachteil für die treuen Heftleser – und niemand wird getäuscht!

    Wir erhalten übrigens sehr viel Lob für dieses zusätzliche Angebot – und immer wieder auch Themenvorschläge und Anregungen, die wir auch gerne entgegen nehmen. Von daher wird das Angebot in Zukunft auch ausgebaut.

    Wir wünschen Dir weiterhin viel Freude mit dem Feuerwehr-Magazin!

    Viele liebe Grüße aus der
    Feuerwehr-Magazin-Redaktion!

    P.S.: Hast Du auch die Seite „Gratis-Downloads“ gesehen? Es gibt hier etliche Angebote – exklusiv für Feuerwehr-Magazin/feuerwehrmagazin.de-Leser – die Du kostenlos downloaden kannst…

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