Dienstag, 28. März 2017

Freiwillige Feuerwehr Geislingen

Extreme Topografie und berühmte Eisenbahntrassen (Geislinger Steige) prägen das Einsatzgebiet der Feuerwehr Geislingen (BW). Die Brandschützer setzen auf vielseitige Ausstattung, ein modernes Erscheinungsbild und haben ein Faible für Nostalgie. Heino Schütte stellt die Feuerwehr Geislingen vor.

Festhalten! Ruppig geht es zu bei der Rundfahrt durch das Einsatzgebiet der Feuerwehr Geislingen (Kreis Göppingen) mit Zwischenstopps an allen acht Standorten. Der Maschinist trägt keine Schuld. Es liegt viel mehr an der extrem kurvigen Berg- und Taltour. Feuerwehrkommandant Jörg Wagner und sein Vize Andreas Baumholzer lachen und meinen: „Wir Geislinger sind’s gewohnt!“ Einsatzfahrten in der Fünftäler-Stadt am Mittelgebirgsrand der Schwäbischen Alb gleichen Achterbahn-Touren. Es geht immer irgendwo steil und kurvig rauf und ebenso wieder runter. Bei rund 250 Einsätzen im Jahr jagt die Feuerwehr-Achterbahn durch die Stadt. Die Fahrzeuge verfügen fast alle über Allradantrieb und PS-starke Motoren.

Im Winter geht es häufig nicht ohne Schneeketten. Bei einem Höhenunterschied von fast 400 Metern liegt auf dem Berg oft noch Schnee, während unten in den Tälern schon die Blumen blühen. Nicht nur meteorologisch weist die Region große Unterschiede auf. In den Löschzügen der Stadt Geislingen und in den vor 40 Jahren eingemeindeten höher gelegenen Albdörfern wird zwar schwäbisch gesprochen – aber mit unterschiedlichen Akzenten.

Der 41-jährige Wagner (41), der 2008 von der BF Stuttgart als erster hauptamtlicher Kommandant nach Geislingen kam, schwört jedoch auf seine „Einheit mit Vielfalt“. Zur Feuerwehr Geislingen zählen die Löschzüge Geislingen-Mitte, Eybach, Aufhausen, Stötten, Türkheim, Waldhausen, Weiler sowie die Löschgruppe Wittingen.

„Was uns alle vereint, ist der ehrenamtliche Geist der Verantwortung für unsere Aufgabe“, sagt der Chef. Einen prima Teamgeist habe er vorgefunden, fortgepflanzt aus den Reihen der 66-köpfigen Altersabteilung. Die Kameraden hätten, so betont der Kommandant, immer noch einen positiven Einfluss auf die gesamte Feuerwehr. Garant dafür sei auch sein ehrenamtlicher Stellvertreter. Baumholzer hatte diese Aufgabe im Frühjahr 2012 von seinem Vater Manfred, der die gleiche Position 25 Jahre lang bekleidete, übernommen.

Große Brände, historische Einsätze und Gefahren

Gerade erst frisch zum Vizekommandanten ernannt, wartete gleich der größte und spektakulärste Einsatz der FF Geislingen der letzten Jahre auf Baumholzer: Am 4. Mai 2012 brach in der Werkstatthalle einer ortsansässigen Spedition ein Feuer aus. Rasend schnell erfassten die Flammen drei Sattelzugmaschinen und mehrere Auflieger, breiteten sich weiter in der gesamten Fahrzeughalle aus. Die Rauchsäule war gut 50 Kilometer weit zu sehen. An das Brandobjekt grenzten direkt der Verwaltungstrakt und weitere Hallen der Firma. Alle Geislinger Löscheinheiten arbeiteten Hand in Hand, unterstützt von Wehren aus umliegenden Gemeinden und Städten des Landkreises Göppingen. So gelang es, eine Brandausbreitung auf weitere Gebäudeteile zu verhindern.

Neben der mittelalterlich geprägten, eng bebauten Innenstadtstruktur und den vielen dörflichen Außenlagen bergen auch Industrie und Verkehrswege spezielle Gefahren. Geislingen ist Sitz der weltbekannten Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF). Bei dem Firmengelände handelt es sich um eine Industriestadt in der Stadt mit einer 160-jährigen Tradition. Auf dem Fab-rikgelände ist es schon häufig zu Großbränden gekommen. Zuletzt 1991, als ein Hallenkomplex auf fast einem Hektar Fläche in Flammen stand und einen tagelangen Feuerwehreinsatz erforderlich machte.

Weiterer Gefahren-Faktor: Im engen Takt verkehren auf der Geislinger Steige (siehe Kasten) rund um die Uhr Personen- und Güterzüge, darunter auch ICE- und neuerdings die französischen TGV-Fernverkehrszüge auf der Hauptstrecke zwischen Stuttgart und München. Der letzte große Bahnunfall ist zehn Jahre her: Am 21. April 2004 stieß bei Süßen ein Personenzug frontal mit einem Messzug zusammen. Die Lokführerin der Regionalbahn kam ums Leben, sechs Insassen in dem Arbeitszug erlitten Verletzungen. „Dieser Einsatz ging uns allen sehr unter die Haut“, erinnert sich Baumholzer. „Wir leben ja täglich an und mit dieser rege frequentierten Bahnstrecke.“ Häufig entstehen im Zusammenhang mit dem Bahnverkehr auf der doppelgleisigen Trasse – zum Beispiel durch Funkenflug – Böschungs- und Waldbrände an den Berghängen der Geislinger Steige.

Höhlentaucher bei Hochwasser gefangen

Geschichtsträchtig war der Einsatz am so genannten Mordloch: Vier junge Höhlentaucher waren nach einem plötzlich einsetzenden Hochwasser in der Tiefe der Karsthöhle gefangen. Das Drama löste eine internationale Hilfsaktion aus. Mittendrin im Geschehen die Feuerwehr mit logistischen Hilfestellungen. Tatsächlich gelang nach drei Tagen die Rettung der Eingeschlossenen.

Geislingen ist ein Verkehrsknoten. Durch die Täler und auf die Alb verlaufen viele Bundes- und Landesstraßen. „Die Zahl schwerer Verkehrsunfälle ist extrem hoch“, beschreibt Wagner. Die 69 Angehörigen des Löschzugs Geislingen haben die Hauptlast des Einsatzaufkommens zu tragen. Sie rücken zirka 200 Mal im Jahr aus.

Die vielfältigen Aufgaben spiegeln sich im Fahrzeugpark des Löschzugs Geislingen wider…

eDossier: Freiwillige Feuerwehr Geislingen.

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