Freitag, 9. Dezember 2016

Feuerwehr: Unimog-Flotte in Ratingen

21. November 2014 von  

Unimog gelten als robust und extrem geländegängig. Die Feuerwehr Ratingen kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Deshalb stellte die Wehr bis Mitte 2014 gleich vier neue Einsatzfahrzeuge auf Unimog-Fahrgestell in Dienst. Wobei neu nicht gleich neu ist, wie Jan-Erik Hegemann bei der Begutachtung der ersten beiden Auslieferungen festgestellt hat.

Rund 50 Zentimeter sind die beiden hinteren Räder des Waldbrand-Tanklöschfahrzeugs (TLF) bereits im weichen Untergrund versunken. Das grobstollige Profil der Reifen hat sich komplett zugesetzt, trotz Allradantriebs drehen die Räder durch. In der Regel wäre dies ein Fall für eine Abschlepphilfe. „Das ist ein Unimog“, stellt Markus Meyer, Sachgebietsleiter Technik der Feuerwehr Ratingen, emotionslos fest, „der kommt da raus.“ Maschinist Rolf Schneiders scheint anfangs nicht ganz so optimistisch. Er schaltet alle Differentialsperren zu und aktiviert die Geländeuntersetzung. Dann gibt er ganz langsam Gas. Doch der Unimog wühlt sich nur tiefer ein.

„Jetzt muss er den Luftdruck aus den Reifen lassen“, erklärt Meyer. Dazu drückt Schneiders im Fahrerhaus über der Zugvorrichtung für das Bullhorn die Taste „Off Road“. Die Auflagefläche der Reifen vergrößert sich ein wenig. „Sand! Rolf, schalt auf Sand!“, brüllt Meyer von der Straße. Schneiders kann ihn zwar nicht hören, handelt aber von sich aus entsprechend. Noch mehr Luft entweicht aus den Rädern. Es sieht so aus, als habe der Unimog plötzlich vier „Platten“. Aber es funktioniert. Kurze Zeit später steht das verschlammte Fahrzeug wieder auf der Straße zwischen den Ratinger Ortsteilen Hösel und Homberg. „Mit einem anderen Fahrgestell wäre das sehr schwer geworden“, ist sich Jan-Hendrik Neumann, der Pressesprecher der Feuerwehr, sicher.

Die Topografie Ratingens birgt eine ganze Reihe kritischer Punkte. Es gibt steile Steigungen zwischen den Ortsteilen. Dazu waldreiche Gebiete, abgelegene Höfe, Bäche und lehmhaltige Böden. Tagelange Regen- oder Schneefälle sind wegen eines Höhenzuges im östlichen Stadtgebiet keine Seltenheit. Um jederzeit auch Einsatzstellen abseits befestigter Wege, beispielsweise an Bahnstrecken oder einer der durch den Zuständigkeitsbereich verlaufenden Pipelines, erreichen zu können, sollten die beiden neuen Waldbrand-TLF 3000 extrem geländegängig sein. Außerdem forderten die Ratinger eine Watfähigkeit größer einem Meter und eine maximale Bauhöhe von 3,20 Meter. „Die Watfähigkeit ist für uns deshalb so wichtig“, erklärt Feuerwehrchef René Schubert, „weil wir große bebaute Gebiete haben, die bei Starkregen regelmäßig überflutet werden.“

„Wir waren beim Fahrgestell aber nicht auf den Unimog festgelegt“, berichtet Meyer, „und haben zum Beispiel den Mercedes Zetros in Betracht gezogen. Doch da bekamen wir mit unseren Beladungswünschen ein Gewichtsproblem an der Hinterachse. Außerdem wäre die Entnahmehöhe der Ausrüstung zu hoch geworden.“

Anfang 2012 schrieb die Stadt europaweit aus. Für die Lieferung des Fahrgestells und des Aufbaus gab Lentner das wirtschaftlichste Angebot ab. Als Fahrgestell wählte die Firma einen Unimog U 5000. Die Beklebung wurde an die Firma Trim-Line Depmeier aus Solingen vergeben. Die Beladung teilten sich die Feuerwehrausrüster Carl Henkel und Feuerwehrtechnik Rhein-Ruhr.

Nötig wurde die Beschaffung unter anderem, weil der Aufbau des Vorgängerfahrzeugs (TLF 8/18 von Ziegler auf Unimog U 1300, Baujahr 1986) nach Meyers Auskunft völlig verrottet war. Dabei hatte das TLF keine 60.000 Kilometer auf dem Buckel. „Wirtschaftlich war der nicht mehr herzurichten“, bestätigt Feuerwehrchef Schubert. „Aber das Fahrgestell machte noch einen erstaunlich guten Eindruck.“ Ein Expertengutachten bestätigte diese Einschätzung: Mit geringem Aufwand lässt sich der U 1300 wieder herrichten, so dass er noch wenigstens zehn Jahre genutzt werden kann. Aufgrund dieser Aussage ließen die Ratinger bei Unimog die Fahrwerksaufhängung generalüberholen und sämtliche Dichtungen ersetzen.

Die Idee: Das Fahrgestell mit Plane, Pritsche, Ladebordwand versehen zu lassen und zukünftig als Gerätewagen Logistik (angelehnt an die Norm für GW-L1) zu verwenden. Stationiert werden sollte der Neue bei der Löschgruppe Hösel. Doch deren Hallentore mit 2,90 Meter äußerst niedrig. „So waren wir bei der Bauhöhe des Gerätewagens extrem limitiert“, berichtet Meyer. Bei einer Besprechung für das Waldbrand-TLF 3000 bei Lentner in Hohenlinden (BY) kam das Gespräch zufällig auf den Ratinger Plan mit dem Unimog-Umbau. „Genau so etwas haben wir für eine Feuerwehr aus der Region schon mal gebaut“, berichtete Firmenchef Mathias Hausmann. Keine Stunde später stand der „Vorführer“ zur Begutachtung auf dem Hof. „Es zeigte uns, dass der Plan funktioniert – auch mit der Ladebordwand“, so Schubert. Die Ladebordwand war tatsächlich eine knifflige Angelegenheit. Wegen der geringen Aufbauhöhe musste eine sehr kurze Variante gefunden werden. Letztlich hatte die Firma Sörensen ein passendes Modell im Programm.

Die Ausschreibung des neuen Aufbaus gewann ebenfalls Lentner. Das generalüberholte Fahrgestell brachten die Ratinger in einer Mulde mit einem Wechselladerfahrzeug selbst nach Bayern. „Das sah schon sehr ungewöhnlich aus“, bestätigt Pressesprecher Neumann. Um die maximal erlaubten…

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Unimog: Feuerwehr Ratingen besitzt eine Unimog-Flotte.

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