Montag, 5. Dezember 2016

Berufsfeuerwehr Dormagen im Portrait

Erst seit 2013 besitzt Dormagen (NW) eine Berufsfeuerwehr. Chemische Industrie, Gefahrstofftransporte durch die Stadt, ein Containerhafen am Rhein, eine verwinkelte Altstadt und die Autobahn 57 bescheren den Wachabteilungen komplexe Einsatzlagen. Ohne die Kräfte der freiwilligen Löschzüge sind diese nicht zu bewältigen.

Es knallt. Ich zucke zusammen: Eine Explosion im Dormagener Containerhafen? Vor den 20-Fuß-Metallbehältern, die im Hafen vor uns wie eine Wand aufgestapelt sind, hat Branddirektorin Sabine Voss eben noch vom Risikopotenzial der Stadt gesprochen. „Täglich werden gefährliche Stoffe und Güter durch Dormagen transportiert – auf der Schiene, der Straße und dem Wasser“, so die Leiterin der Feuerwehr. „Beispielsweise Cyanwasserstoff: Regelmäßig ziehen Güterlokomotiven Behälterwagen mit dieser hochgiftigen Flüssigkeit – besser bekannt als Blausäure – von Dormagen nach Wesseling.“

Durch eine Lücke zwischen den Containern entdecke ich einen Stapler, der Behälter für Behälter aufnimmt und lautstark an anderer Stelle wieder absetzt – daher das Knallen. Hinter uns ziehen ununterbrochen Lkw vorbei. Manche haben Aluminiumbarren geladen, die im Hafen umgeschlagen werden. „Wir wissen aber meist nicht genau, was wann und wie transportiert wird“, betont Voss. „Daher müssen wir auf alles vorbereitet sein.“

Im Kommandowagen (KdoW) der Feuerwehrchefin geht es weiter zum Industriegebiet, das Dormagen bekannt gemacht hat: dem Chempark. Voss gibt die nüchternen Zahlen zum Chempark wieder: „Etwa 60 Chemiebetriebe mit 9.800 Mitarbeitern auf einer Fläche von 3,6 Quadratkilometern. Die meisten Störfallbetriebe unserer Stadt sind dort angesiedelt. Ein paar haben wir auch im Norden.“

Wir überqueren eine Brücke über den Verschiebebahnhof des Industriegebiets. Lange Reihen von Kesselwagen sind zu erkennen, dahinter jede Menge Schornsteine, Pipelines und Behälter, Verwaltungs- und Lagergebäude. Der Verschiebebahnhof liegt unmittelbar an einem Wohngebiet. „Auch das gibt es nicht überall: eine öffentliche Brücke über einem Chemie-Park“, sagt die Branddirektorin. „Und der S-Bahnhof ‚Chempark Dormagen‘ befindet sich mitten im Betriebsgelände.“ Allerdings habe der Chempark-Betreiber deswegen auch gemäß Seveso-Richtlinie (siehe Kasten) besondere Sicherheitsmaßnahmen ergreifen müssen – zum Beispiel den Bau von Schutzräumen am Bahnsteig.

1.200 Kräfte bekämpfen Tankbrand im Chempark

Obwohl das Gelände Chempark Dormagen heißt, liegt es teilweise im Kölner Stadtteil Worringen. „So wären eigentlich zwei Bezirksregierungen dafür zuständig“, berichtet Voss, „denn Dormagen gehört zum Regierungsbezirk Düsseldorf und nicht zum Regierungsbezirk Köln. Damit keine Probleme entstehen, wurde festgelegt, dass Köln für den kompletten Park als Genehmigungsbehörde fungiert.“

Zwar habe der Chempark eine eigene Werkfeuerwehr (siehe Kasten). „Aber wir unterstützen mit unserem Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF)“, so die 49-Jährige. „bei größeren Lagen mit den Einsatzstichworten ‚Feuer‘ und ,Gefahrstoffaustritt‘ wird auch die Feuerwehr Dormagen mitalarmiert.“ Normalerweise übernimmt die Werkfeuerwehr die Einsatzleitung im Chempark. Bei Großschadenslagen übergibt sie diese an die Berufsfeuerwehr Köln. Wie beispielsweise beim Feuer bei Ineos, das in ganz Deutschland Schlagzeilen gemacht hat.

Am Nachmittag des 17. März 2008 trat auf dem Gelände des Chemieunternehmens Ineos nach Wartungsarbeiten an einer Transportleitung Ethylen aus. Das Gas entzündete sich, in der Folge fing ein 3.000-Kubikmeter- Tank mit giftigem Acrylnitril Feuer. 40 Meter hohe Flammen schossen in den Himmel. Eine riesige Rauchwolke stand über dem Chempark.

„Das war einer der größten Einsätze der Nachkriegszeit in diese Region“, erinnert sich Voss. „Wir waren insgesamt mit rund 1.200 Kräften zusammen mit den umliegenden Feuerwehren im Einsatz. Zeitweise wurden 55.000 Liter Löschwasser pro Minute zum Einsatzort gepumpt, um einen großen Schaumangriff fahren zu können.“ Erst nach rund 10 Stunden war das Feuer gelöscht.

„Damals waren wir noch eine freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlicher Wachbereitschaft“, sagt die Feuerwehrchefin. „Zum 1. Januar 2013 hat die Stadt die Wachbereitschaft in eine Berufsfeuerwehr umgewandelt. So ließen sich im Jahr rund 15.000 Euro an Versicherungskosten für die Hauptamtlichen sparen. Das gab erst einigen Unmut bei freiwilligen Kräften, die sich in den Hintergrund gedrängt fühlten. In gemeinsamen Gesprächen konnten wir die Wogen glätten.“ …

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